Um die Zukunft zu verändern braucht es Bildung – Bildung für nachhaltige Entwicklung

Symbolbild, Quelle: Unspalsh

Um die Zukunft zu verändern braucht es Bildung – Bildung für nachhaltige Entwicklung

Um die Zukunft zu verändern braucht es Bildung – Bildung für nachhaltige Entwicklung 2560 1707 Rüdiger Weiß - SPD - Ihr Landtagsabgeordneter für Herringen, Bönen, Kamen und Bergkamen

Kurvendiskussion, Gedichtanalyse und Brennball spielen, sind seit vielen Jahren fester Bestandteil eines jeden Lehrplans. Aber was ist mit dem verantwortungsvollen Umgang mit unseren Ressourcen, Chancen- und Geschlechtergleichheit, Frieden und kultureller Vielfalt? Themen wie diese müssen auch Teil unseres Bildungssystems sein. In einer modernen, globalisierten Gesellschaft müssen wir uns die Frage stellen, wie eine sozial gerechte, wirtschaftlich erfolgreich und umweltverträgliche Entwicklung gestaltet werden kann. Dafür braucht es kreative Ideen, Visionen und Gestaltungsmut. Um Veränderungen anzustoßen, benötigt man nicht nur Faktenwissen, sondern auch Werte und Kompetenzen, die durch Bildung für nachhaltige Entwicklung (kurz: BNE) vermittelt werden.

Zu diesen Kompetenzen zählen unteranderem vorausschauendes Denken, eine weltoffene Wahrnehmung, Transkulturelle Verständigung und Kooperation sowie Partizipationskompetenzen, um an Entscheidungsprozessen teilzuhaben.

Die Vereinten Nationen und BNE

Bereits 1992 beschlossen die Vereinten Nationen (UN) bei der Umweltkonferenz in Rio de Janeiro die Agenda 21. Unter die verschiedenen Handlungsfelder fiel auch damals schon der Bereich Bildung. Die Jahre 2005 bis 2014 wurden als Weltdekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ausgerufen. In den zehn Jahren sollten Regierungen auf der ganzen Welt Nachhaltigkeit in ihre Bildungssysteme integrieren. Die UNESCO unterstützte sie dabei und startete im Anschluss, 2015, ein Weltaktionsprogramm, um die Veränderungen weiterzuführen. Bildung spielt auch eine zentrale Rolle in den Zielen für Nachhaltige Entwicklung (SDGs). Das vierte Ziel sieht vor, dass bis 2030 für alle Menschen eine inklusive, chancengerechte und hochwertige Bildung sowie Möglichkeiten zum lebenslangen Lernen sichergestellt wird.

Nationale Plattform BNE

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat die Nationale Plattform BNE und begleitende Fachforen geschaffen, die Akteure aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft vernetzen und Impulse für die Umsetzung von BNE vor Ort geben. Unter dem Vorsitz von Staatssekretär Christian Luft treffen sie sich zwei Mal im Jahr. So entstand auch der Nationale Aktionsplan, der 2017 auf einer Sitzung der Plattform, verabschiedet wurde. Er ist ein Fahrplan für das deutsche Bildungssystem mit konkreten Zielen, wie beispielsweise einzelne Projekte, Qualitätsmanagement oder die Vernetzung der Bildungsbereiche. Zu den Handlungsfeldern gehören unter anderem die Wirksame Beteiligung von jungen Menschen, Diversität und Inklusion oder der Ausbau der Bildungslandschafen Darüber hinaus gibt es sechs Fachforen, die aus Expert*Innen der jeweiligen Bildungszweige bestehen und die Arbeit der Plattform unterstützen. BNE soll nicht einfach nur ein weiteres Thema auf den Lehrplänen sein, sondern viel mehr strukturell und interdisziplinär verankert werden. Dafür wird BNE als fester Bestandteil der Lehrkräftebildung integriert und es sollen gemeinsam methodische Unterrichtskonzepte entwickelt werden.

Quelle: Bundesministerium für Bildung und Forschung

Quelle: Bundesministerium für Bildung und Forschung

NRWs BNE-Strategie

Auch NRW hat eine eigene Landesstrategie für BNE, die 2016 von der SPD-geführten Landesregierung verabschiedet wurde. Diese wurde gemeinsam mit Vertreter*Innen aus verschiedenen Bildungsbereichen erarbeitet. Auf der Webseite von „BNE NRW“ finden sich zahlreiche Projekte, Veranstaltungen, Informationsmaterialen, Beratungsangebote und Netzwerke. Ein Beispiel ist das „Prima-Klima-Picknick-Projekt“, bei dem Schüler*Innen am Beispiel von Ernährung und Konsumverhalten aufgezeigt bekommen, wo Klimaschutz im Alltag möglich ist.

Es gibt bereits eine Vielzahl von Initiativen, ob global, auf Bundes- oder Landesebene. Zu diesen zählt zum Beispiel die gemeinnützige Stiftung „Haus der kleinen Forscher“, die im Bereich der frühkindlichen Bildung Mädchen und Jungen in Naturwissenschaften und Technik fit macht. Und obwohl sich bereits viele Menschen gute Konzepte ausgedacht haben, um BNE in die verschiedenen Bildungsstätten zu tragen, ist nachhaltige Entwicklung noch lange nicht in unserem gesamten Bildungssystem oder unserer Gesellschaft verankert.

Die Fragen, mit denen sich BNE beschäftigt betreffen die gesamte Gesellschaft. Es handelt sich nicht um ein Projekt für Schüler*Innen einer bestimmten Altersstufe, sondern muss als lebenslanges Lernen eines jeden Menschen verstanden werden.

Für die verschiedenen Bildungseinrichtungen und Altersgruppen gibt es dennoch konkrete Instrumente:

Frühkindliche Bildung

Die ersten Grundsteine einer individuellen Entwicklung werden bereits in Kitas gelegt. Schon früh muss begonnen werden Kinder für die BNE Themen zu sensibilisieren. Dies geschieht spielerisch und bereitet die Kinder auf ein lebenslanges Lernen vor. Der Morgenkreis, Projekte aber auch das Spielen mit anderen Kindern bieten Gelegenheiten nachhaltige Entwicklung erlebbar zu machen. Dabei können beispielsweise Themen wie Wasser, Ernährung oder Gerechtigkeit Ansatzpunkte sein, um Kinder an BNE heranzuführen.

Schulen

Ziel ist es BNE als festen Bestandteil der Lehr- und Bildungspläne zu implementieren. Schon jetzt ist es leicht BNE in den Unterricht zu integrieren. Zum Beispiel bei der Errechnung von Kurven im Matheunterricht, können Lehrer*innen globalen Entwicklungsmodellen, die die verschiedenen Wachstumsprozesse zeigen (exponentiell, linear, etc.) erklären und die Inhalte von BNE mit den Methoden der Mathematik kombinieren.

Berufliche Bildung

Auch während der Berufsausbildung ist BNE wichtig, da auch Unternehmen ein Interesse daran haben ihre eigene Zukunftsfähigkeit zu sichern. Dies kann beispielsweise in Form von Workshops zum Thema Nachhaltigkeit geschehen nicht nur für die Auszubildenden, sondern auch für die Ausbildenden. BNE hat bereits Eingang in Weiterbildungsangebote zentraler Bildungsträger gefunden (IHK, HWK) und soll durch Prüfungen, Lehrpläne oder Ausbildung von Lehrpersonal weiter integriert werden.

Hochschulen

Studierenden an Hochschulen werden einmal in vielen verschiedenen Berufsfeldern tätig sein und können die Kompetenzen und das Wissen als Multiplikatoren weitertragen. Zukünftige Lehrkräfte oder Wissenschaftler mit innovativer Forschung werden maßgeblich zu einer Veränderung beitragen. In Lüneburg gibt es schon jetzt eine eigene Fakultät für Nachhaltigkeit, die Seminare und Vorlesungen anbietet. An vielen Universitäten gibt es bereits seit Jahren Nachhaltigkeitsreferate, die Hintergründe zu aktuellen Entwicklungen im Bereich Klima, nachhaltiger Konsum oder Umwelt erläutern. Dies geschieht beispielsweise während eines Nachhaltigen Brunchs, Kleidertauschbörsen oder Poetry Slams.

Non-formales Lernen und Kommunen

Es gibt zahlreiche weitere Projekte, die auf lokaler Ebene stattfinden, denn Lernen findet Überall und jederzeit statt. Das gilt auch für die Erwachsenenbildung. Kommunen und Städte engagieren sich schon über mehrere Jahre hinweg für BNE, denn wenn ein Wandel gelingen soll, muss er auch lokal verankert sein. Länder und Städte haben vielversprechende Projekte, wie die Initiativen „Hamburg lernt Nachhaltigkeit“ oder das Nachhaltigkeitszentrum in Thüringen. Im Nachhaltigkeitszentrum finden Foren für mehr Vernetzung und den Austausch von Erfahrungen statt aber auch Seminare und Weiterbildungsmöglichkeiten.

In Deutschland gibt es bisher viele Modellprojekte im Bereich der BNE. Einzelne Initiativen aber keine flächendeckende Umsetzung. Ein langer Weg liegt noch vor uns. BNE bedeutet Perspektivwechsel und das Hinterfragen der eigenen Privilegien. Das fällt nicht leicht ist aber notwendig. Gerade jetzt, im Angesicht zahlreicher Herausforderungen, ist es umso wichtiger, dass wir lernen den Blick in die Zukunft zu richten, Ideen zu entwickeln und nachhaltige Lösungsansätze umzusetzen.

Weiterführende Links:

Bundeszentrale für politische Bildung: “Bildung für nachhaltige Entwicklung – eine Einführung” (2019)
https://www.bpb.de/lernen/digitale-bildung/werkstatt/296913/bildung-fuer-nachhaltige-entwicklung-eine-einfuehrung

Gerhard de Haan, Zeitschrift für internationale Bildungsforschung und Entwicklungspolitik: “Die Kernthemen der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung” (2002)
https://www.pedocs.de/volltexte/2013/6177/pdf/ZEP_2002_1_deHaan_Kernthemen_der_Bildung.pdf

BNE-Portal der Deutschen UNESCO-Kommission
https://www.bne-portal.de/de/einstieg/bildungsbereiche/schule

UNSESO: Bildung für nachhaltige Entwicklung
https://www.unesco.de/bildung/hochwertige-bildung/bildung-fuer-nachhaltige-entwicklung